PSYCHICK WARRIORS OF GAIA, Frontpage Magazin

 

Psychick Warriors

Wer heute an Holland und House denkt, denkt zuerst and Go Bang, wenn er etwas angesagter ist an Lower East Side. Doch abseits dieser Amsterdamer Acts fielen in der letzten Zeit die Psychick Warriors Ov Gaia auf, mit ihrer Debut Maxi ‘Exit 23‘.

Auf der Tekknozid Party in Berlin am 27.4.1991 gaben sie ihren Live-Einstand in Deutschland.

Präsentiert wurde ein Programm, daß weitgehend durch Industrial-Elemente geprägt war.

Die Kritiker-Ecke grübelte “Ist das jetzt modern oder altmodisch“ bis zu “Verdammt, was macht eigentlich der olle Genesis P, dat könnte ja genauso klingen“.

Auf der Tanzfläche grummelte es zuweilen “Ich will lieber D-Shakka“, einige Anspruchsvollere gewöhnten sich dann doch an den Groove.

Wer das zuvor erwähnte ‘House Of God‘ von DHS liebt, konnte das PWOG Material gar nicht so verkehrt finden, denn der durchschnittliche Unterschied in Bezug auf Rhythmus und BPM-Zahl war nur minimal.

Auf der Bühne passiert herzlich wenig (Anm. 1), very Alt-Herren-Industialmäßig standen die Krieger unbeweglich hinter den Maschinen, allein der sporadisch aktive Sänger tanzte ein wenig unmotiviert am Bühnenrand; dazu flimmerte ein Video mit Blubberfarben und einem handgemalten Hakenkreuz (Anm. 2) sowie anderem Psychick provozierenden Symbolen (gähn).

Frontpage (Jürgen Laarmann, mit 2 Frauen im Arm, voll drauf und ohne Notizblock, Anm. d. Webmasters) sprach mit Eden, Foxy Eden und Robberto von den Psychick Warriors.

 

Frontpage (FP): Wo liegt der Zusammenhang zwischen euch und Psychick TV?

Wir gehören zum Tempel und haben auch schon mit Genesis P-Orridge zusammengearbeitet. Auch unsere Struktur ist ähnlich. Wir sind eine offene Gemeinschaft, jemand kann also auch zur Band gehören, wenn er nicht permanent dabei ist.

Frontpage: Ihr habt ja schon vor den Psychick Warriors Ov Gaia an diversen Industrialproduktionen gearbeitet. Wie kam der Anstoß, House Musik zu machen?

Foxy Eden: Das war vor ca. zwei Jahren in einem Club, die ersten zwei Stunden saß ich da und sagte mir: „Oh, das ist alles Scheiß Disko-Musik“ ... doch dann hat sie mich gepackt und ich hatte eine großartige Zeit.

FP: Wie seht ihr den Zusammenhang von Ecstasy und dieser Musik?

Foxy Eden: Da besteht schon einer …

Eden: Ich glaube eher an einen Zusammenhang zwischen den magischen Kornkreis-Zeichen und dieser Musik. Ich finde Ecstasy Mist. Es wird letztendlich von Firmen wie Immhausen produziert und ist nicht das beste Mittel sich zu befreien.

FP: Techhouse wird immer populärer. Glaubt ihr, daß die Welle demnächst so abschwappen wird wie New Beat?

Foxy Eden: Es ist doch gar nicht so populär. Ich arbeite im Plattenladen und kriege mit wie viele großartige Platten nicht gekauft werden.

FP: Aus Holland kommen zur Zeit eine ganze Menge interessanter Releases in dem Sektor. Ist die Szene überschaubar … kennen die Künstler sich untereinander?

Robberto: Wir kommen aus einer Stadt im Süden Hollands, aus der Nähe von Eindhoven. Wir stecken da nicht so drin. Aber es ist keinesfalls so, dass es eine große Familie ist. Jedoch arbeiten wir demnächst mal mit einem Jungen von House Of Venus zusammen …

FP: Wie seht ihr Holland im internationalen Vergleich?

Foxy Eden: Länder sind uns wirklich ganz egal. Viele Sachen die aus Holland kommen interessieren uns rein gar nicht.

FP: Was wird euer nächster Release sein und ab wann ist er erhältlich?

Foxy Eden: Die neue 12*inch wird unter dem Namen ‘Maenad‘ herauskommen und drei Mixe enthalten. Three for the price ov one. Yes it’s true. Draußen ist er, wenn nicht schief läuft, Ende Mai

 

Quelle: Jürgen Laarmann, Frontpage @ Tekknozid Festival 1991

Anmerkungen: (1) Wer sich selbst vom Sound und Party-Vibe überzeugen will, hier zum PWOG live at Tekknozid Live-Gig

(2) Als tribal Element wurden zwei sich überkreuzende Knochen in Dia-Projektionen dargestellt. Der indianischen Sonnenrune, im Video, ist das Hakenkreuz zwar entlehnt, aber wie auch die indische Swastika ist es ein frühzeitliches Symbol, dass - gemeinsam mit dem Mandelbrot-Fraktal - im Bühnen-Video als Sinnbild für Licht, Unendlichkeit und Trance fungierte.

Frontpage Magazin #5, 1991

Tekknozid, Elektrokohle Berlin, 1991

X-tasy Dance Party, Stagepass, 1991

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